Ich erinnere mich an einen Kunden, einen brillanten Finanzberater. Seine Artikel waren pures Gold – voll echter Expertise aus 20 Jahren Praxis. Seine Leser liebten ihn. Aber für Google, ChatGPT und Perplexity war er ein Niemand. Ein Geist im System. Warum? Weil seine Expertise nicht belegbar war. Es gab keine maschinenlesbaren Signale, die seine Identität mit seinem Wissen verknüpften.
Das war der Moment, in dem mir klar wurde: Vertrauen ist heute ein technisches Problem. Es reicht nicht mehr, ein Experte zu sein. Du musst es beweisen – und zwar in der Sprache der Maschinen. Dein Name muss zu einer Marke werden, deren Autorität überprüfbar ist. Genau hier kommt der Author Graph ins Spiel.
Das Problem: Wenn Maschinen deine Expertise nicht sehen können
Google hat uns jahrelang mit dem Mantra E-E-A-T (Experience, Expertise, Authoritativeness, Trust) erzogen. Nach den hauseigenen Search Quality Rater Guidelines ist das der Goldstandard, besonders für sensible YMYL-Themen (Your Money or Your Life). Wir haben also gelernt, tolle Inhalte von echten Experten zu schreiben.
Aber wir haben die entscheidende Frage übersehen: Wie weiß eine Maschine, dass der Autor wirklich ein Experte ist?
Ein Algorithmus kann nicht deine Uni-Abschlüsse lesen oder dich bei einem Vortrag sehen. Er kann nur Daten verarbeiten. Ohne klare, strukturierte Signale ist der Name „Dr. Max Mustermann“ unter einem Artikel über Anlagestrategien für eine KI nur eine bedeutungslose Zeichenkette. Eine unbelegte Behauptung. Und unbelegte Behauptungen sind in der Welt der KI wertlos. Search Engine Land bestätigt, dass das aktive Einfordern der Autorschaft ein starkes Vertrauenssignal für Google ist. Es geht darum, Anonymität zu bekämpfen und nachweisbare Kompetenz zu belohnen.
Was ist der Author Graph? Dein digitales Experten-Netzwerk
Vergiss für einen Moment komplizierte Technik. Stell dir den Author Graph wie ein digitales Spinnennetz vor. In der Mitte stehst du, der Autor. Jeder Faden, der von dir ausgeht, ist eine Verbindung zu einem überprüfbaren Fakt über dich.
- Ein Faden führt zu deinem LinkedIn-Profil.
- Ein weiterer zu deinem Twitter-Account.
- Ein dicker Faden zu einem Fachartikel, den du auf einer anerkannten Branchenseite veröffentlicht hast.
- Und die wichtigsten Fäden verbinden dich direkt mit den Themen, über die du schreibst: „Künstliche Intelligenz“, „Semantische Suche“, „Markenaufbau“.
Dieses Netz aus Verbindungen ist dein Author Graph. Es ist die Summe aller maschinenlesbaren Signale, die deine Identität und deine Expertise belegen. Der verstorbene SEO-Pionier Bill Slawski hat in seinen Analysen von Google-Patenten schon früh erkannt, dass Google in sogenannten „Author Vectors“ denkt. Das bedeutet: Das System erstellt ein mathematisches Modell deiner Expertise, basierend auf den Entitäten, mit denen du konsistent in Verbindung gebracht wirst. Dein Author Graph ist die Blaupause für diesen Vektor.
Indem du diese Verbindungen selbst definierst, hörst du auf zu hoffen, dass die KI deine Kompetenz errät. Du deklarierst sie aktiv.
Die Anleitung: Baue deinen Author Graph mit Schema-Markup
Jetzt wird es praktisch. Das Werkzeug, mit dem wir diese Verbindungen für Maschinen sichtbar machen, heißt Schema-Markup (konkret: JSON-LD). Das ist ein standardisierter Code, der quasi als „Übersetzer“ zwischen deinem Inhalt und den Algorithmen dient. Google selbst empfiehlt in der Search Central, strukturierte Daten zu nutzen, um Suchmaschinen zu helfen, Inhalte und Entitäten zu verstehen.
Wir bauen jetzt deine digitale Identität Schritt für Schritt auf. Diesen Code fügst du idealerweise auf deiner Autorenseite oder global auf deiner Webseite ein, sodass er mit all deinen Inhalten verknüpft ist.
Schritt 1: Definiere dich als „Person“
Zuerst sagen wir der Maschine, dass es sich hier um eine Person handelt, und geben ihr die wichtigsten Stammdaten.
{ "@context": "https://schema.org", "@type": "Person", "name": "Dein Name", "url": "https://deine-webseite.de/ueber-mich", "jobTitle": "Deine Berufsbezeichnung"}
Das ist die Basis. Eine leere Visitenkarte. Jetzt füllen wir sie mit Leben.
Schritt 2: Bestätige deine Identität mit sameAs
Die sameAs-Eigenschaft ist der wichtigste Anker für deine digitale Identität. Du listest hier alle relevanten Online-Profile auf, die zweifelsfrei dir gehören. Das ist wie der Abgleich deines Personalausweises in der digitalen Welt.
Wähle Profile, die deine professionelle Identität stützen:
- LinkedIn
- XING
- Twitter (X)
- Deine Autorenseite bei Fachmagazinen
- Dein Wikidata- oder Wikipedia-Eintrag (falls vorhanden – das ist der Jackpot)
Im Code sieht das so aus:
{ "@context": "https://schema.org", "@type": "Person", "name": "Dein Name", "url": "https://deine-webseite.de/ueber-mich", "sameAs": [ "https://www.linkedin.com/in/dein-profil/", "https://twitter.com/dein-handle", "https://www.xing.com/profile/dein-profil" ]}
Damit sagst du der Maschine unmissverständlich: „Die Person auf dieser Webseite ist dieselbe, die auch auf LinkedIn und Twitter unter diesem Namen agiert.“ Du konsolidierst deine Identität über Plattformgrenzen hinweg.
Schritt 3: Deklariere deine Expertise mit knowsAbout
Das ist der magische Schritt, der von den meisten übersehen wird. Mit knowsAbout teilst du der Maschine explizit mit, in welchen Themenfeldern du Experte bist. Du verknüpfst deine persönliche Entität mit den Themen-Entitäten.
Der Trick dabei ist, nicht einfach nur Wörter zu verwenden, sondern auf etablierte Entitäten in Wissensdatenbanken wie Wikidata oder Wikipedia zu verweisen. So schaffst du eine unmissverständliche Verbindung.
Nehmen wir an, du bist Experte für KI-Marketing und Markenaufbau. Dein Code würde erweitert werden:
{ "@context": "https://schema.org", "@type": "Person", "name": "Dein Name", "url": "https://deine-webseite.de/ueber-mich", "sameAs": [ "https://www.linkedin.com/in/dein-profil/", "https://twitter.com/dein-handle" ], "knowsAbout": [ { "@type": "Thing", "name": "Künstliche Intelligenz", "sameAs": "http://de.wikipedia.org/wiki/Künstliche_Intelligenz" }, { "@type": "Thing", "name": "Suchmaschinenoptimierung", "sameAs": "http://de.wikipedia.org/wiki/Suchmaschinenoptimierung" }, { "@type": "Thing", "name": "Markenführung", "sameAs": "http://de.wikipedia.org/wiki/Markenführung" } ]}
Damit triffst du eine klare Aussage: „Ich, die Person Max Mustermann, verifiziert durch mein LinkedIn- und Twitter-Profil, bin Experte für die Themen Künstliche Intelligenz, SEO und Markenführung.“
Was im Hintergrund passiert: Von Code zu Vertrauen
Mit diesem Code-Schnipsel hast du mehr für deine KI-Sichtbarkeit getan als mit zehn weiteren Blogartikeln. Warum?
- Du schaffst Eindeutigkeit: Es gibt vielleicht Hunderte von „Max Mustermanns“, aber nur einen, der mit genau diesen Profilen und diesem Fachwissen verknüpft ist.
- Du baust Vertrauen auf: Du lieferst überprüfbare Belege für deine Expertise, statt nur Behauptungen aufzustellen.
- Du wirst maschinell lesbar: Du übersetzt deine Kompetenz in eine Sprache, die Algorithmen verstehen und verarbeiten können. Dein Name wird zu einer verknüpften Entität im Knowledge Graph.
Dies ist kein SEO-Trick. Es ist die Grundlage für eine zukunftssichere, semantische Architektur. Du sorgst dafür, dass deine Marke und deine Person auch in einer Welt der Empfehlungsmaschinen und Sprachmodelle als relevante und vertrauenswürdige Quelle erkannt werden.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Author Graph
Was genau ist eine Entität?
Eine Entität ist ein klar definierbares Konzept oder Objekt – eine Person, ein Ort, ein Unternehmen, ein Thema. Für Maschinen ist das Internet nicht eine Sammlung von Seiten, sondern ein Netz von Entitäten und deren Beziehungen zueinander. Dein Ziel ist es, selbst zu einer starken Entität zu werden.
Brauche ich eine eigene Webseite, um einen Author Graph aufzubauen?
Ja, eine zentrale Autorenseite oder eine „Über mich“-Seite auf deiner eigenen Domain ist die ideale Basis. Sie dient als Ankerpunkt (url-Eigenschaft im Schema), von dem aus alle anderen Verbindungen geknüpft werden.
Muss ich programmieren können, um das umzusetzen?
Nein. Du musst nur den JSON-LD-Code verstehen, kopieren und mit deinen eigenen Daten anpassen. Es gibt zahlreiche WordPress-Plugins (z. B. Rank Math, Yoast SEO) oder Online-Generatoren, die dir helfen, diesen Code zu erstellen und in den <head>-Bereich deiner Webseite einzufügen.
Wo genau füge ich diesen Code ein?
Der JSON-LD-Code gehört in den <head>-Bereich deiner HTML-Seite. Idealerweise auf deiner zentralen Autoren- oder Über-mich-Seite. Fortgeschrittene können ihn auch auf jeder Seite einfügen, auf der der Autor genannt wird.
Wie schnell sehe ich Ergebnisse?
Das ist ein Marathon, kein Sprint. Es geht nicht um kurzfristige Ranking-Sprünge. Du baust eine langfristige, autoritative Grundlage für deine digitale Identität auf. Die Effekte zeigen sich darin, dass deine Inhalte von KI-Systemen mit der Zeit als vertrauenswürdiger eingestuft werden und deine Expertise korrekt zugeordnet wird.
Dein nächster Schritt: Werde zum Architekten deiner Autorität
Wir bewegen uns weg von einer Welt, in der nur zählte, was du schreibst, hin zu einer Ära, in der es entscheidend ist, wer du bist – und ob eine Maschine das überprüfen kann.
Dein Wissen allein reicht nicht mehr. Es braucht eine Struktur, eine technische Untermauerung, die es maschinell lesbar und damit glaubwürdig macht. Der Author Graph ist dein mächtigstes Werkzeug dafür.
Hör auf, nur Inhalte zu produzieren. Fang an, deine Expertise zu beweisen.