Lange dachte ich, meine ‚Über mich‘-Seite sei ziemlich gut: professionelles Foto, ein sympathischer und kompetenter Text, gespickt mit beruflichen Erfolgen. Geschrieben habe ich sie für potenzielle Kunden und Partner – ein klassischer Fehler.
Bis mir eines Tages klar wurde: Für die Systeme, die heute über Sichtbarkeit entscheiden – Google, ChatGPT, Perplexity –, war diese Seite nur eine Ansammlung von Zeichen. Eine Sackgasse. Wertlos.
Die Systeme konnten nicht einmal sicher unterscheiden, ob „begeisterter Segler“ nun ein Hobby oder meine Berufsbezeichnung war. Sie verstanden nicht, welche meiner publizierten Artikel tatsächlich meine waren und welche nur Zitate. Für den menschlichen Leser war meine Expertise klar – für die Maschine nur unsichtbares Rauschen.
Das Problem ist: KI-Systeme lesen nicht wie Menschen. Sie scannen nicht nach sympathischen Formulierungen, sondern nach strukturierten Fakten und verifizierbaren Verbindungen. Eine traditionelle ‚Über mich‘-Seite liefert beides nicht. Sie ist eine digitale Visitenkarte in einer Welt, die nach digitalen Gehirnen verlangt.
Vom leblosen Text zum lebendigen Knotenpunkt
Die meisten Unternehmen und Experten behandeln ihre Autoren- oder Teamseiten wie ein notwendiges Übel. Einmal erstellt, verstauben sie jahrelang. Dabei ist diese Seite vielleicht der wichtigste Hebel, um deine Expertise für KI-Systeme greifbar zu machen.
Der nötige Wandel führt weg vom flachen Textdokument, hin zum vernetzten Daten-Hub. Deine Autorenseite muss zum zentralen Ankerpunkt für deine digitale Identität werden – ein Knotenpunkt, der dich als Person eindeutig identifiziert und mit deiner Kompetenz, deinen Publikationen und deinen Verbindungen verknüpft.
Links siehst du die Vergangenheit: eine Seite, die Informationen präsentiert. Rechts siehst du die Zukunft: eine Seite, die Beziehungen und Fakten für Maschinen modelliert. Sie beantwortet nicht nur die Frage „Wer ist das?“, sondern auch „Wofür steht diese Person?“, „Was hat sie nachweislich geleistet?“ und „Mit welchen anderen bekannten Konzepten ist sie verbunden?“.
Warum das Ganze? E-E-A-T für die Maschine
Google hat mit dem E-E-A-T-Framework (Experience, Expertise, Authoritativeness, Trustworthiness) klargemacht, was hochwertige Inhalte ausmacht. Doch wie soll eine Maschine deine Erfahrung oder Expertise bewerten, wenn sie diese nicht einmal versteht?
Genau hier versagen 99 % der ‚Über mich‘-Seiten. Sie sind für Menschen geschrieben, die zwischen den Zeilen lesen können. Eine KI kann das nicht. Sie braucht explizite Signale. Sie muss wissen:
- Wer genau bist du? (Eindeutige Identifikation)
- Welche Themen beherrscht du? (Expertise)
- Wo hast du deine Erfahrung gesammelt? (Experience)
- Wer oder was bestätigt deine Autorität? (Authoritativeness & Trustworthiness)
Die Antwort liegt nicht in besseren Texten, sondern in einer besseren Architektur. Du musst aufhören, nur Inhalte zu schreiben, und anfangen, deine Identität zu strukturieren.
Das Framework: So wird deine Autorenseite zum Entitäten-Hub
Der technische Schlüssel zu diesem Wandel sind strukturierte Daten, genauer gesagt das Schema.org-Vokabular. Damit übersetzt du die Informationen deiner Seite in eine Sprache, die Maschinen eindeutig verstehen. Du markierst nicht einfach nur Text, du definierst Fakten.
Im Zentrum steht dabei die Person-Entität. Was ist eine Entität? Stell sie dir als einen Eintrag in einem riesigen digitalen Lexikon vor. Dein Ziel ist es, für dich als Autor einen solchen Eintrag zu erstellen und ihn mit so vielen verifizierbaren Informationen wie möglich anzureichern.
Dein Autoren-Hub basiert auf diesen vier entscheidenden Säulen:
1. Eindeutige Identifikation (sameAs)
Das sameAs-Attribut ist dein digitaler Fingerabdruck. Hier verlinkst du auf all deine anderen offiziellen Profile im Netz: Dein LinkedIn-Profil, dein Twitter-Account, deine Wikidata-Seite, dein ORCID-Profil (falls du wissenschaftlich publizierst).
Warum das wichtig ist: Du löst damit Ambiguität auf. Du sagst Google und Co.: „Der Max Mustermann auf LinkedIn, der Max Mustermann auf Twitter und der Autor dieser Artikel hier – das ist alles dieselbe Entität.“ Ohne diese Verknüpfung bist du nur ein Name unter Tausenden.
2. Deklarierte Kompetenz (knowsAbout)
Hier wird es spannend. Mit knowsAbout kannst du explizit die Themen und Konzepte definieren, in denen du ein Experte bist. Anstatt die KI raten zu lassen, worüber du schreibst, lieferst du ihr eine klare Liste deiner Fachgebiete. Idealerweise verlinkst du dabei auf etablierte Entitäten wie die entsprechenden Wikipedia- oder Wikidata-Einträge.
Warum das wichtig ist: Du baust eine direkte, maschinenlesbare Verbindung zwischen dir und deinen Kompetenzfeldern auf. Das ist die Grundlage für KI-Sichtbarkeit, denn Empfehlungssysteme können dich nun präzise als Experten für eine bestimmte Anfrage einstufen.
3. Verbundene Autorität (alumniOf, worksFor)
Menschen vertrauen Menschen, die mit vertrauenswürdigen Institutionen verbunden sind. Maschinen tun das auch. Mit Attributen wie alumniOf (für deine Universität) oder worksFor (für dein Unternehmen) verknüpfst du deine eigene Entität mit bereits etablierten, vertrauenswürdigen Entitäten.
Warum das wichtig ist: Du leihst dir Autorität. Die Reputation einer bekannten Universität oder eines angesehenen Unternehmens strahlt auf deine eigene Entität ab und stärkt das Vertrauen der Maschine in deine Glaubwürdigkeit.
4. Nachgewiesene Leistung (publication)
Eine Behauptung ist nichts ohne Beweis. Das publication-Attribut ermöglicht es dir, alle von dir verfassten Inhalte (Artikel, Studien, Bücher) direkt mit deiner Autoren-Entität zu verknüpfen. Jeder Artikel auf deiner Website sollte per Schema-Markup wiederum auf deine zentrale Autorenseite zurückverweisen.
Warum das wichtig ist: Du schaffst einen geschlossenen Kreislauf des Vertrauens. Deine Autorenseite deklariert deine Expertise, und deine Artikel liefern den maschinenlesbaren Beweis dafür. Das ist E-E-A-T in Reinform.
Diese Struktur macht aus einer simplen Webseite einen mächtigen Knotenpunkt in deinem persönlichen Knowledge Graph. Jeder Link, jede deklarierte Kompetenz und jede Publikation ist ein Faden, der dein Netz an Autorität und Relevanz dichter und stärker macht.
Das Ergebnis: Von Unsichtbarkeit zu Anerkennung
Was passiert, wenn du diesen Wandel vollziehst? Es ist kein Schalter, den man umlegt, um morgen auf Platz 1 zu stehen. John Mueller von Google hat mehrfach betont, dass Autoren-Markup allein kein direkter Rankingfaktor ist. Es geht um etwas viel Grundlegenderes: darum, als glaubwürdige Quelle überhaupt erst erkannt zu werden.
Wenn KI-Systeme eine Anfrage beantworten, suchen sie nicht nach Webseiten, sondern nach Antworten von vertrauenswürdigen Entitäten. Eine gut strukturierte Autorenseite liefert genau die Signale, die ein System braucht, um dich als eine solche Entität zu validieren.
Das Ergebnis ist nicht nur ein potenziell schöneres Suchergebnis. Das eigentliche Ziel ist, dass dein Name und deine Inhalte in KI-generierten Antworten (wie bei ChatGPT, Perplexity oder Google SGE) als Quelle genannt werden, weil das System deine Expertise nicht nur vermutet, sondern weiß.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen einer Autoren-Box am Artikelende und einer Autoren-Seite?
Die Autoren-Box ist eine Kurzversion, die auf die zentrale Autoren-Seite verlinken sollte. Die Autoren-Seite ist der eigentliche Hub, der alle Informationen und Verknüpfungen bündelt. Beide sind wichtig: Die Box schafft die Verbindung vom Artikel zum Autor, die Seite etabliert die Entität des Autors.
Muss ich dafür programmieren können?
Nicht zwingend. SEO-Plugins für WordPress wie Rank Math oder Yoast SEO bieten bereits gute Möglichkeiten, viele Person-Schema-Daten direkt im Backend einzutragen. Für eine tiefere und präzisere Auszeichnung ist das manuelle Hinzufügen von JSON-LD-Skripten jedoch die sauberste Methode. Es gibt auch Online-Generatoren, die dir dabei helfen.
Woher weiß ich, welche Themen ich bei ‚knowsAbout‘ eintragen soll?
Konzentriere dich auf die Kernkompetenzen, die du mit deinen Inhalten abdeckst. Orientiere dich dabei an den Hauptkategorien deines Blogs oder deiner Website. Sei spezifisch. Statt „Marketing“ könntest du „Semantische Suche“ oder „Entitätenbasierte Optimierung“ verwenden. Verlinke idealerweise auf die Wikipedia-URL des Konzepts.
Reicht mein LinkedIn- oder XING-Profil nicht als Autoritätsbeweis aus?
Nein, denn dort hast du keine Kontrolle über die strukturierten Daten. Diese Plattformen sind wichtige Bestandteile deines sameAs-Netzwerks, aber die kanonische, also die maßgebliche Quelle der Wahrheit über dich, muss eine Seite sein, die du selbst kontrollierst: deine eigene Autorenseite.
Fazit: Hör auf, Visitenkarten zu verteilen
Eine klassische ‚Über mich‘-Seite ist eine digitale Visitenkarte. Sie ist nett, aber passiv. Ein strategisch aufgebauter Autoren-Hub ist dein offizieller Eintrag im Gehirn der KI. Er ist aktiv, vernetzt und schafft Fakten.
Hör auf, Visitenkarten für Maschinen zu gestalten, die sie ohnehin nicht lesen können. Fang an, die neuronalen Verbindungen zu schaffen, die deine Expertise unmissverständlich und nachweisbar machen. Denn in der Ära der Empfehlungsmaschinen wirst du nicht mehr gefunden – du wirst als Autorität empfohlen. Und diese Empfehlung musst du dir mit Struktur verdienen, nicht mit Prosa.