Hinweis: Dieser Beitrag gehört zur Wissensrubrik Die Maschinenlesbarkeit-Engine: Wie ich Websites so strukturiere, dass KI-Systeme sie verstehen – nicht nur crawlen im Mehrklicks-Wissensportal.

Die Inhalte beschreiben Methoden und Strukturen, mit denen wir Marken für KI-Systeme wie ChatGPT, Perplexity und Google AI Overviews sichtbar machen.

Eine thematische Einordnung und die operative Umsetzung findest du auf der Seite Agentur für KI-Sichtbarkeit.

Die DOM-Diät: Wie ich aufgeblähten Code für Bots entschlacke und deine wichtigsten Entitäten freilege

Ich erinnere mich genau an das Projekt. Ein Kunde kam zu mir, stolz auf seine neue Webseite. Optisch ein Meisterwerk, gebaut mit einem der führenden Page-Builder. Jede Animation saß, jede Sektion war pixelgenau designt. Das Problem: Für Google war die Seite ein unlesbares Chaos. Und für KI-Systeme wie ChatGPT oder Perplexity existierte sie praktisch nicht.

Der Grund war unter der Haube versteckt: Der HTML-Code war so überladen, verschachtelt und mit unnötigen Containern vollgestopft, dass die eigentliche Botschaft – das, worum es auf der Seite wirklich ging – im Lärm unterging. Die Maschinen konnten die Kern-Entität nicht erkennen.

Das war der Moment, in dem ich das Konzept der „DOM-Diät“ entwickelte. Ein radikaler Ansatz, um Websites nicht für den Menschen, sondern für die Maschine zu entschlacken.

Das unsichtbare Problem: Wenn Design die Maschinenintelligenz erstickt

Page-Builder wie Elementor, Divi oder WP Bakery sind fantastische Werkzeuge, um optisch ansprechende Seiten zu erstellen, ohne eine Zeile Code zu schreiben. Aber dieser Komfort hat einen hohen Preis, den die meisten nicht sehen: Code-Aufblähung (Code Bloat).

Jedes Element, das du per Drag-and-drop auf deine Seite ziehst – eine Überschrift, ein Bild, ein simpler Textblock – wird in mehrere Lagen von

-Containern verpackt. Jeder dieser Container hat eigene CSS-Klassen und IDs, die für das Styling nötig sind. Das Ergebnis ist ein monströses, tief verschachteltes HTML-Dokument.

Warum ist das ein Problem?

  1. Verlangsamung: Dass Page-Builder die Ladezeit beeinträchtigen, ist kein Geheimnis. Daten von Kinsta zeigen, dass sie die Ladezeit um bis zu 2 Sekunden erhöhen können. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs.

  2. Verwirrung für Crawler: Stell dir vor, du gibst einer KI den Auftrag, einen wichtigen Satz in einem 500-seitigen Buch voller Füllwörter zu finden. Genau das passiert, wenn ein Googlebot oder der Crawler von Perplexity auf eine mit Page-Buildern erstellte Seite trifft. HTTP Archive Daten zeigen, dass die mediane WordPress-Seite aus über 100 DOM-Elementen nur für den Hauptinhalt besteht. Der Crawler muss sich durch unzählige

    -Suppen kämpfen, um zu verstehen: Was ist hier die Hauptaussage? Was ist die zentrale Entität?

Die Maschine sucht nach einem klaren Signal, aber alles, was sie bekommt, ist Rauschen.

![A diagram showing a complex, bloated DOM tree on the left and a clean, simplified DOM tree on the right, highlighting the main content entity.](IMAGE 1)

Auf der linken Seite siehst du, wie ein Page-Builder eine einfache Überschrift und einen Textabschnitt strukturiert. Rechts siehst du, wie eine Maschine es verstehen möchte. Die DOM-Diät ist die Brücke zwischen diesen beiden Welten.

Was ist die DOM-Diät und wie funktioniert sie?

Die DOM-Diät ist ein Prozess, bei dem wir die für den Nutzer sichtbare Webseite unangetastet lassen, aber den Maschinen eine radikal entschlackte, semantisch saubere Version des HTML-Codes ausliefern.

Dabei geht es nicht primär darum, die schnellste Seite zu haben, sondern die verständlichste für eine Maschine. Das Ziel: eine glasklare semantische Architektur, in der die wichtigsten Entitäten deines Inhalts sofort erkennbar sind.

Der Prozess läuft in vier Schritten ab:

  1. Analyse des gerenderten DOM: Zuerst analysieren wir die finale HTML-Struktur – also das, was der Browser (und damit auch der Googlebot) nach Ausführung allen JavaScript-Codes tatsächlich „sieht“.

  2. Identifikation der Kern-Entitäten: Im Wust aus Code identifizieren wir die wirklich wichtigen Blöcke: die Hauptüberschrift (

    ), die einleitenden Absätze, die Kernaussagen, Listen, Bilder mit ihren Beschreibungen und die abschließende Konklusion. Wir suchen nach dem „semantischen Fleisch“ der Seite.

  3. Extraktion des Wesentlichen: Wir ziehen diese Kern-Entitäten aus der aufgeblähten Struktur heraus und werfen den ganzen Verpackungsmüll (die

    -Container, Styling-Wrapper, Spacer-Elemente) weg.

  4. Rekonstruktion einer sauberen Struktur: Aus den extrahierten Elementen bauen wir ein neues, minimalistisches HTML-Dokument. Dieses Dokument verwendet ausschließlich saubere, semantische HTML5-Tags wie

    ,

    ,

    ,

    ,

    und

      . Es enthält keine unnötigen Klassen, keine Inline-Styles, keinen Ballast.

![A code snippet comparison. Left side shows bloated page-builder HTML with multiple nested divs. Right side shows the „diet“ version with clean, semantic HTML like

,

,

.](IMAGE 2)

Dieser „Diät-Code“ ist das, was wir den Crawlern von Google, Bing, Perplexity und Co. servieren. Der menschliche Besucher sieht weiterhin das pixelgenaue Design. Die Maschine aber erhält die pure, unverfälschte Information.

Der Lohn der Mühe: Warum das für KI-Sichtbarkeit entscheidend ist

Früher, im klassischen SEO, ging es darum, Keywords an die richtigen Stellen zu packen. Heute, im Zeitalter der KI, geht es um etwas viel Grundlegenderes: Versteht die Maschine, wer du bist und wofür du stehst?

Google selbst bestätigt das. John Mueller hat mehrfach betont, wie wichtig eine saubere HTML-Struktur ist, damit der Googlebot Inhalte effizienter parsen und verstehen kann.

Wenn generative KIs wie ChatGPT oder Google SGE eine Antwort auf eine Nutzerfrage erstellen, durchsuchen sie nicht einfach nur Webseiten nach Keywords. Sie versuchen, Konzepte, Argumente und Entitäten zu verstehen und zu synthetisieren.

  • Eine Seite mit aufgeblähtem DOM schreit die KI an: „HIER SIND 200 BOXEN, IRGENDWO DARIN STEHT WAS WICHTIGES!“
  • Eine Seite nach der DOM-Diät flüstert der KI ins Ohr: „Das Thema ist X. Die Kernaussage ist Y. Der Autor ist Z. Hier sind die drei wichtigsten Argumente dafür.“

Genau dieser Unterschied entscheidet darüber, ob du als Quelle zitiert, in einer KI-generierten Antwort empfohlen oder einfach ignoriert wirst. Es ist die technische Grundlage für die neue Währung im Netz: KI-Sichtbarkeit.

Deine Marke, deine Produkte und deine Expertise müssen als klare, unmissverständliche Entitäten für Maschinen lesbar sein. Die DOM-Diät ist der erste, entscheidende Schritt, um sicherzustellen, dass deine Botschaft nicht im Code-Dschungel deines Designs verloren geht.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Muss ich dafür meine mit einem Page-Builder erstellte Webseite neu gestalten?

Nein, absolut nicht. Das ist ja der Kern des Ansatzes. Das visuelle Design für deine menschlichen Besucher bleibt zu 100 % erhalten. Die DOM-Diät ist eine technische Optimierungsebene, die nur für Maschinen (Crawler) wirksam wird.

Besteht die Gefahr, dass meine Seite für Besucher kaputtgeht?

Nein. Die Implementierung stellt sicher, dass menschliche Besucher immer die ursprüngliche, designte Version sehen. Nur Bots erhalten die entschlackte Variante zur Analyse.

Ist das nicht „Cloaking“ und wird von Google bestraft?

Eine berechtigte Frage. Die klassische Definition von Cloaking ist, dem Nutzer und dem Googlebot unterschiedliche Inhalte zu zeigen, um Rankings zu manipulieren. Bei der DOM-Diät zeigen wir jedoch exakt denselben Kerninhalt – dieselbe Überschrift, denselben Text, dieselben Bilder. Wir verändern lediglich die strukturelle „Verpackung“ dieses Inhalts, um ihn für die Maschine zugänglicher zu machen. Das ist vergleichbar mit der Bereitstellung einer barrierefreien Version einer Seite und dient der besseren Indexierung, nicht der Täuschung.

Gibt es dafür ein einfaches WordPress-Plugin?

Leider nein. Der Prozess erfordert eine individuelle Analyse der spezifischen DOM-Struktur deiner Webseite, da jeder Page-Builder und jedes Theme seinen Code anders generiert. Es ist keine Einheitslösung, sondern ein gezielter Eingriff in die Architektur deiner Seite.

Was ist der Unterschied zu Caching- oder Speed-Optimierungs-Plugins?

Caching- und Performance-Plugins konzentrieren sich darauf, deine bestehende Seite schneller auszuliefern. Sie komprimieren Bilder, minifizieren CSS und JavaScript und erstellen statische Versionen deiner Seite. Die DOM-Diät hingegen konzentriert sich auf die semantische Klarheit des HTML-Codes. Sie verändert die Struktur selbst, um die maschinelle Lesbarkeit und das Verständnis zu schärfen. Beide Ansätze können und sollten sich ergänzen.