Ich sehe sie jede Woche: Websites, in die Zehntausende von Euro und Hunderte Stunden Arbeit geflossen sind. Projekte, die mit großen Hoffnungen starteten und jetzt digitale Friedhöfe sind. Unsichtbar, irrelevant, tot.
Vielleicht erkennst du dein eigenes Projekt darin wieder. Du hast alles ‚richtig‘ gemacht, Blogartikel geschrieben, Keywords recherchiert – und trotzdem herrscht Stille.
Du bist nicht allein. Eine Studie von Ahrefs hat gezeigt, dass schockierende 90,63 % aller Inhalte im Web keinen Traffic von Google erhalten. Null.
Das ist keine Pechsträhne, das ist die Norm. Die meisten Websites sind digital tot, noch bevor sie eine Chance hatten zu leben. Sie sind ein Rauschen im System, das von KI-Gatekeepern wie Google und ChatGPT ignoriert wird.
Das Problem liegt nicht im fehlenden Aufwand, sondern in der fehlenden Diagnose. Wer versucht, eine tote Website mit noch mehr Content zu reanimieren, gießt Wasser auf einen Stein und hofft, dass dieser wächst. Bevor du auch nur eine Zeile neuen Text schreibst, musst du verstehen, warum das System dich ignoriert.
Genau dafür habe ich ein Framework entwickelt: die 60-Minuten-Post-Mortem-Analyse. Eine systematische Untersuchung der drei Kernbereiche, die über Leben und Tod einer Website entscheiden. Kein Voodoo, keine Buzzwords. Nur eine klare, ungeschönte Diagnose.
Warum deine Website (wahrscheinlich) ignoriert wird
Eine Website ’stirbt‘ nicht einfach so. Sie stirbt, weil sie für die Systeme, die heute über Sichtbarkeit entscheiden, unverständlich, unglaubwürdig oder irrelevant ist. Der größte Fehler, den Marketer machen, ist, in Symptomen zu denken. ‚Wir brauchen mehr Traffic!‘ ist ein Symptom. ‚Wir ranken nicht für Keyword X!‘ ist ein Symptom.
Die Ursachen liegen tiefer. Bedenke, dass laut BrightEdge über 53 % des gesamten Website-Traffics aus der organischen Suche stammen. Wenn dieser Kanal blockiert ist, ist deine wichtigste Lebensader gekappt. Die Gründe dafür lassen sich fast immer auf drei Bereiche zurückführen:
- Technische Barrieren: Die Maschine kann deine Inhalte nicht korrekt lesen, verstehen oder bewerten.
- Inhaltliche Irrelevanz: Deine Inhalte bieten keinen echten Wert, keine Expertise und lösen kein Problem.
- Strukturelles Chaos: Deine Website ist ein unorganisierter Haufen von Dokumenten ohne logische Verbindung.
Mein Framework nimmt sich genau diese drei Bereiche vor – in drei straffen 20-Minuten-Sprints. Das Ziel ist nicht, alles zu reparieren, sondern eine exakte Diagnose zu stellen.
Sprint 1: Die technische Autopsie (20 Minuten)
Technik ist das Fundament. Wenn das Fundament bröckelt, stürzt das ganze Haus ein, egal wie schön die Fassade ist. Wir prüfen die drei wichtigsten technischen Vitalfunktionen.
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Mobile-First-Check (5 Min.): Google indexiert das Web primär aus der Perspektive eines mobilen Geräts. Ist deine Website nicht perfekt für Mobilgeräte optimiert, bist du quasi unsichtbar.
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Diagnose: Öffne deine Website auf deinem Smartphone. Ist der Text lesbar, ohne dass du zoomen musst? Sind die Buttons leicht zu treffen? Nutze Googles kostenloses Mobile-Friendly Test Tool für eine schnelle Analyse.
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Core Web Vitals Check (10 Min.): Das sind Googles Kennzahlen für die User Experience. Sie messen, wie schnell deine Seite lädt (LCP), wie schnell sie interaktiv wird (INP) und ob sich das Layout beim Laden verschiebt (CLS). Schlechte Werte sind ein klares Signal an Google: ‚Diese Seite frustriert Nutzer.‘
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Diagnose: Gib deine Domain bei PageSpeed Insights ein. Achte auf die Bewertungen im ‚Core Web Vitals Assessment‘. Rot oder Orange bedeutet akuten Handlungsbedarf.
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Indexierungs-Check (5 Min.): Der grundlegendste Check überhaupt: Weiß Google überhaupt, dass deine wichtigsten Seiten existieren?
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Diagnose: Gehe zu Google und gib site:deinedomain.de in die Suche ein. Erscheinen deine wichtigsten Produkt- oder Leistungsseiten? Wenn nicht, hast du ein massives Indexierungsproblem.
Sprint 2: Die inhaltliche Leichenschau (20 Minuten)
Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Die meisten ‚toten‘ Websites sind voll mit generischem Content, der für niemanden geschrieben wurde. KI-Systeme erkennen das sofort.
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E-E-A-T-Reality-Check (10 Min.): E-E-A-T steht für Experience, Expertise, Authoritativeness, Trustworthiness. Für Maschinen sind das keine Buzzwords, sondern messbare Signale.
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Diagnose: Lies einen deiner wichtigsten Artikel und frage dich ehrlich:
- Erfahrung: Zeigt der Autor, dass er das, worüber er schreibt, selbst getan oder erlebt hat?
- Expertise: Löst der Inhalt ein spezifisches Problem besser oder detaillierter als die Konkurrenz?
- Autorität: Wird klar, warum genau du oder dein Unternehmen qualifiziert ist, über dieses Thema zu sprechen?
- Vertrauen: Gibt es ein klares Impressum, transparente Autoreninfos und Quellenangaben?
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Wenn die Antwort auf die meisten dieser Fragen ‚Nein‘ lautet, produzierst du Content, der von KI als minderwertig eingestuft wird.
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Intention vs. Realität (5 Min.): Passt dein Inhalt zur Suchintention der Nutzer? Jemand, der ‚laufschuhe kaufen‘ sucht, will einen Shop, keine Geschichte des Laufens.
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Diagnose: Google das Hauptkeyword deines wichtigsten Artikels. Welche Art von Inhalten rankt auf Seite 1? Listen? Anleitungen? Produktseiten? Wenn dein Format komplett anders ist, liegst du wahrscheinlich daneben.
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Kannibalismus-Prüfung (5 Min.): Hast du mehrere Artikel, die auf dasselbe Thema oder Keyword abzielen? Das verwirrt Google, weil das System nicht weiß, welche Seite die relevanteste ist.
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Diagnose: Suche bei Google nach site:deinedomain.de ‚dein keyword‘. Wenn mehrere deiner Seiten zum selben Thema in den Top-Ergebnissen auftauchen, hast du ein Kannibalisierungsproblem.
Sprint 3: Die architektonische Tatortanalyse (20 Minuten)
Eine gute Website ist keine Sammlung von losen Blättern, sondern ein gut strukturiertes Buch. Die Architektur entscheidet darüber, wie Maschinen den Kontext und die Wichtigkeit deiner Inhalte verstehen.
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Silo-Check (10 Min.): Sind deine Inhalte in klaren, thematischen Silos organisiert? Ein Autohändler sollte zum Beispiel klare Bereiche (Silos) für ‚Gebrauchtwagen‘, ‚Neuwagen‘ und ‚Werkstatt‘ haben, nicht einen Blog, in dem alles vermischt wird.
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Diagnose: Schau dir deine Menü-Navigation und URL-Struktur an. Ist sie logisch und hierarchisch? Oder wirkt sie wie ein unorganisierter Haufen? Eine gute semantische Architektur ist die Grundlage für maschinelles Verständnis.
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Interne Verlinkung (5 Min.): Interne Links sind die Adern deiner Website. Sie verteilen Autorität und zeigen Maschinen, welche Seiten am wichtigsten sind.
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Diagnose: Klicke auf deine wichtigsten Seiten (z. B. die Startseite). Sind deine wichtigsten Unterseiten von dort aus mit klaren Ankertexten verlinkt? Wenn deine wichtigste Leistungsseite nur aus dem Footer erreichbar ist, signalisierst du Google, dass sie unwichtig ist.
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Entitäten-Check (5 Min.): Versteht Google deine Marke als das, was sie ist? Bist du für die Maschine nur eine Domain oder eine echte digitale Entität mit einer klaren Identität?
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Diagnose: Google deinen Markennamen. Erscheint rechts ein ‚Google Business Profile‘ oder ein ‚Knowledge Panel‘? Gibt es klare, konsistente Informationen über dein Unternehmen im Web? Wenn nicht, existierst du für die Maschine nur als lose URL, nicht als etablierte Marke.
Fazit: Die Diagnose ist der erste Schritt zur Heilung
Nach diesen 60 Minuten hast du keine reparierte Website. Aber du hast etwas viel Wichtigeres: Klarheit. Eine priorisierte Liste fundamentaler Probleme in den Bereichen Technik, Inhalt und Architektur. Du weißt jetzt, wo die wahren Ursachen für deine Unsichtbarkeit liegen.
Eine tote Website ist kein Schicksal, sondern das Ergebnis fehlender Systematik. Statt blind weiter Inhalte zu produzieren, hast du nun einen Befund. Dieser Befund ist die Grundlage für den nächsten, entscheidenden Schritt: den Wandel von klassischem SEO hin zu echter KI-Sichtbarkeit. Denn es geht nicht mehr darum, für Keywords zu ranken. Es geht darum, als relevante und vertrauenswürdige Antwort in den Systemen der Zukunft verstanden zu werden.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen dieser Analyse und einem normalen SEO-Audit?
Ein klassisches SEO-Audit konzentriert sich oft nur auf Keywords, Backlinks und grundlegende On-Page-Faktoren. Die Post-Mortem-Analyse ist holistischer. Sie prüft, wie deine Website von modernen KI-Systemen wahrgenommen wird, und legt dabei den Fokus auf die drei Säulen Technik, Inhalt und Architektur. Es geht weniger um Ranking-Faktoren und mehr um maschinelles Verständnis und Glaubwürdigkeit.
Kann ich diese Analyse auch ohne teure Tools durchführen?
Absolut. Das hier vorgestellte 60-Minuten-Framework basiert bewusst auf kostenlosen Tools wie Google PageSpeed Insights, dem Mobile-Friendly Test und der Google-Suche selbst. Für eine tiefere Analyse sind professionelle Tools natürlich hilfreich, aber für eine erste, fundierte Diagnose sind sie nicht zwingend notwendig.
Meine Website hat Traffic, aber keine Kunden. Ist sie auch ‚tot‘?
Ja, in einem geschäftlichen Sinne. Ich definiere eine ‚tote‘ Website nicht nur durch fehlenden Traffic, sondern durch fehlende Relevanz und Wirkung.
Wenn deine Website Besucher anzieht, die nicht zu deiner Zielgruppe gehören oder deren Probleme du nicht löst, dann generiert sie nur Kosten, aber keinen Wert. Die inhaltliche Analyse (Sprint 2) hilft dir genau hier, die Diskrepanz zwischen deinem Content und den Bedürfnissen deiner idealen Kunden aufzudecken.
Wie oft sollte ich eine solche Analyse durchführen?
Du solltest die Post-Mortem-Analyse mindestens einmal gründlich durchführen, um eine Bestandsaufnahme zu machen. Danach empfehle ich eine abgespeckte Version quartalsweise, um sicherzustellen, dass keine neuen technischen Probleme auftreten und deine Content-Strategie weiterhin mit den Nutzerintentionen übereinstimmt. Nach größeren Website-Änderungen oder einem Relaunch ist eine erneute vollständige Analyse Pflicht.