Ich erinnere mich an einen Call vor ein paar Monaten. Ein Kunde war begeistert: „Wir sind für unser Hauptkeyword auf Position 1!“, sagte er. Doch seine Freude war gedämpft. „Komisch ist nur, der Traffic stagniert.“
Ich öffnete Google, gab das Keyword ein und sah sofort das Problem: Ein riesiger AI Overview thronte über dem ersten organischen Ergebnis – über seiner „Position 1“. Die KI hatte die Antwort bereits geliefert und den Klick absorbiert.
Dieser Moment war eine Offenbarung. Unsere traditionellen SEO-Dashboards lügen uns an. Sie zeigen uns Erfolge in einer Welt, die es so nicht mehr gibt. Im Zeitalter der Empfehlungsmaschinen ist nicht mehr entscheidend, wo du rankst, sondern ob und wie du von der KI zitiert wirst. Willkommen im Post-SEO-Zeitalter.
Die gefährliche Illusion von „Position 1“
Jahrelang war es das ultimative Ziel: Position 1 in den Google-Suchergebnissen. Doch diese Metrik verliert rasant an Bedeutung. Der Grund ist einfach: die massive Integration von KI-generierten Antworten direkt in die Suche.
Googles AI Overviews (früher SGE) sind keine Randerscheinung mehr. Eine Studie von BrightEdge zeigt, dass sie bereits bei 84 % aller Suchanfragen erscheinen. Das ist die neue Normalität.
Deine Zielgruppe sucht nicht mehr nach einer Liste von Links – sie sucht nach einer direkten Antwort. Und Google liefert sie. Wer nur auf die blaue Link-Liste darunter starrt, verpasst das eigentliche Spiel.
Das Problem dabei: In 40 % dieser Fälle enthalten die AI Overviews keine klickbaren Links zu den Quellen. Deine Inhalte werden vielleicht genutzt, aber du erhältst keinen Besucher. Dein alter KPI „Ranking“ wird bedeutungslos, wenn der Klick an die KI geht. Es ist Zeit, unsere Messung von Sichtbarkeit radikal zu überdenken.
Warum alte Metriken im Zeitalter der KI versagen
Die Logik von Suchmaschinen hat sich fundamental geändert. Wir bewegen uns weg von einer geordneten Liste hin zu einem synthetisierten Wissensblock.
Früher (Klassisches SEO):
Eine lineare, geordnete Liste von 10 blauen Links. Das Ziel war klar: nach oben klettern.
Heute (KI-Sichtbarkeit):
Ein von einer KI zusammengestellter Antwort-Block, der Informationen aus durchschnittlich vier verschiedenen Quellen kombiniert. Das Ziel ist nicht mehr, ganz oben zu stehen, sondern ein Teil dieser Antwort zu werden.
[Eine schematische Grafik, die den Unterschied zwischen traditionellem Ranking (lineare Liste) und Zitation in einem AI Overview (mehrere Quellen in einem Block) darstellt.]
Dieser Wandel macht traditionelles Rank-Tracking obsolet:
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„Position“ ist relativ: Bist du die erste Quelle, die im AI Overview genannt wird? Oder die dritte? Wirst du mit einem prominenten Link zitiert oder nur mit einem kleinen Icon am Ende? Diese Nuancen erfasst kein klassisches SEO-Tool.
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Die Art der Zitation ist entscheidend: Manchmal zitiert Google dich mit einem direkten Link. Manchmal zeigt es nur dein Favicon. Und manchmal erwähnt es nur deinen Markennamen, ganz ohne Verlinkung. Jede dieser Zitationen hat einen anderen Wert.
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Es geht um Kontext, nicht um Keywords: Die KI sucht nicht nach der Seite mit der höchsten Keyword-Dichte. Sie sucht nach der Entität mit der größten Autorität und den klarsten, vertrauenswürdigsten Informationen zu einem Thema. Es geht um eine neue Form der KI-Sichtbarkeit statt SEO [INTERNAL LINK 2].
Wer weiterhin nur Rankings misst, optimiert an der Realität vorbei. Es ist, als würde man die Geschwindigkeit eines Autos in Knoten messen – die Metrik passt einfach nicht mehr zum System.
Der neue KPI: So misst du deine Präsenz in AI Overviews
Vergiss das Ranking. Der neue entscheidende KPI ist deine AI-Zitationsrate. Sie misst, wie oft und in welcher Qualität du als Quelle in den KI-Antworten für deine strategisch wichtigen Themen auftauchst.
Um das systematisch zu erfassen, brauchst du ein einfaches Framework, das drei Kernfragen beantwortet:
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Frequenz der Einblendung: Wie oft erscheint ein AI Overview bei den Suchanfragen, die für dein Geschäft relevant sind? Besonders bei informationalen Anfragen („was ist“, „wie funktioniert“) ist die Wahrscheinlichkeit hoch.
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Art der Zitation: Wie wirst du zitiert? Wir unterscheiden hier drei Stufen:
- Gold-Standard: Direkter Link zu deiner Seite. (Bringt Traffic)
- Silber-Standard: Visuelle Nennung (z. B. Logo/Favicon). (Baut Markenbekanntheit auf)
- Bronze-Standard: Textliche Erwähnung ohne Link. (Minimaler Wert, aber immerhin eine Erwähnung)
- Position im Kontext: An welcher Stelle im AI Overview wirst du genannt? Bist du die primäre Quelle, die den Hauptteil der Antwort liefert, oder nur eine ergänzende Randnotiz?
Standard-Tools können das (noch) nicht. Du musst diesen Prozess anfangs manuell oder mit spezialisierten Skripten durchführen. Das klingt nach Arbeit, aber es ist die einzige Möglichkeit, ein ehrliches Bild deiner wahren Sichtbarkeit zu bekommen.
[Eine beispielhafte Tabelle oder ein Spreadsheet-Ausschnitt, der zeigt, wie man die Präsenz in AI Overviews systematisch tracken kann (Keyword, AIO vorhanden?, Zitationstyp, Position im AIO, Quelle).]
Ein solches Tracking zeigt dir schonungslos, ob deine Inhalte für Maschinen verständlich und relevant sind. Denn Google liest keine Texte, sondern interpretiert Daten. Die KI muss deine Marke nicht nur finden, sie muss sie als vertrauenswürdige Quelle [INTERNAL LINK 3] für ein Thema einstufen.
Wie du deine AI-Präsenz systematisch analysierst
Mit dem Framework kannst du sofort starten. Folge diesen Schritten, um deine Sichtbarkeit im KI-Zeitalter zu kartieren:
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Definiere deine Themenfelder: Lege 10–20 strategische Suchanfragen fest, die für dein Geschäft entscheidend sind. Denke in Themen, nicht in einzelnen Keywords.
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Führe die Analyse durch: Suche nach diesen Begriffen (am besten im Inkognito-Modus) und fülle deine Tracking-Tabelle aus. Notiere bei jeder Anfrage: Gibt es einen AI Overview? Wirst du zitiert? Wenn ja, wie? Und wer sind die Konkurrenten, die zitiert werden?
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Identifiziere Muster und Lücken: Wo bist du bereits präsent? Wo dominieren deine Wettbewerber? Bei welchen Themenfeldern hast du die größten Chancen? Oft wirst du feststellen, dass Seiten in den Top 10 bevorzugt zitiert werden – aber nicht immer. Autorität und Klarheit scheinen oft wichtiger zu sein als die reine Ranking-Position.
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Optimiere für maschinelles Verständnis: Deine Analyse wird dir zeigen, wo du ansetzen musst. Es geht nicht mehr darum, einen Text mit Keywords zu füllen. Es geht darum, dein Wissen so zu strukturieren, dass eine Maschine es als Fakt verstehen und zitieren kann. Google versteht hier nicht mehr nur Worte, sondern Entitäten [INTERNAL LINK 1] – also Konzepte, Personen oder Marken und deren Beziehungen zueinander.
Dieser Prozess gibt dir eine datenbasierte Grundlage für deine Content-Strategie. Du optimierst nicht mehr blind für eine Position, sondern gezielt für eine Zitation.
Häufig gestellte Fragen zur Messung von AI Overviews
Kann ich das mit meinen bisherigen SEO-Tools messen?
Aktuell bieten die meisten Standard-SEO-Tools noch kein dezidiertes Tracking für AI Overviews an. Sie konzentrieren sich weiterhin auf das klassische Ranking der blauen Links. Daher ist ein manueller oder semi-automatisierter Ansatz mit einem eigenen Tracking-Sheet derzeit der zuverlässigste Weg.
Ist eine Erwähnung ohne Link komplett wertlos?
Nicht komplett, aber der Wert ist deutlich geringer. Eine Markennennung kann die Bekanntheit steigern und die Wahrnehmung deiner Marke als Autorität stärken. Der Gold-Standard bleibt jedoch die Zitation mit einem direkten Link, da nur sie qualifizierten Traffic auf deine Seite bringt.
Für welche Suchanfragen sind AI Overviews am wichtigsten?
Die Forschung zeigt, dass AI Overviews besonders häufig bei informationalen Suchanfragen erscheinen. Das sind Fragen, die eine klare, faktenbasierte Antwort haben, z. B. „Was ist semantisches SEO?“ oder „Wie funktioniert ein Elektromotor?“. Bei komplexen oder meinungsbasierten Anfragen hält sich die KI eher zurück. Konzentriere dein Tracking also zunächst auf diese informativen Themen.
Wie kann ich meine Chancen erhöhen, in AI Overviews zitiert zu werden?
Es gibt keine magische Formel, aber die zentralen Hebel sind:
- Eindeutige Autorität: Sei die unbestreitbar beste und vertrauenswürdigste Quelle für dein Thema.
- Maximale Klarheit: Beantworte Fragen direkt, präzise und ohne Marketing-Floskeln.
- Strukturierte Daten: Nutze Schema Markup, um der KI zu helfen, die Informationen auf deiner Seite kontextuell zu verstehen.
- Semantische Architektur: Baue deine Inhalte nicht als isolierte Artikel, sondern als vernetztes Wissenssystem auf.
Fazit: Messen, was wirklich zählt
Wer heute noch auf klassische Ranking-Reports starrt, optimiert für eine Vergangenheit, die es nicht mehr gibt. Die Besessenheit von „Position 1“ ist ein Relikt aus einer einfacheren Zeit.
Die Zukunft der Sichtbarkeit liegt nicht in einer Liste, sondern in der direkten Antwort. Deine Aufgabe als Marketer ist es nicht mehr, Nutzer zum Klick auf einen Link zu bewegen, sondern die KI davon zu überzeugen, dass deine Antwort die beste ist.
Beginne noch heute damit, deine Präsenz in AI Overviews zu messen. Es ist der einzige KPI, der dir ehrlich zeigt, ob du für die Zukunft des Internets relevant bist – oder nur ein Echo aus der Vergangenheit.