Ich saß vor dem Screen und hatte das Problem glasklar vor Augen.
Ein Kunde mit einer starken Marke, präsent auf LinkedIn, X, in Branchenverzeichnissen – scheinbar überall. Aber für eine KI wie Google war diese Marke ein Geist: eine Sammlung loser Enden, ohne Zentrum, ohne klare Identität. Jeder Social-Media-Kanal, jeder Eintrag in einer Datenbank war nur ein weiteres, isoliertes Datensignal im Rauschen des Internets.
Der Grund für diese digitale Schizophrenie? Eine einzige, fehlende Zeile Code: sameAs.
Viele Marketer jagen noch immer dem Trugbild der reinen Präsenz hinterher. Sie glauben, es reiche, auf möglichst vielen Plattformen einen Account zu haben. Doch im Zeitalter der KI ist das ein fataler Irrtum. Wenn du Maschinen nicht explizit sagst, dass all diese Profile zu einer einzigen, kohärenten Entität gehören, bist du für sie keine Autorität, sondern nur Lärm.
Das Problem der digitalen Fragmentierung
Stell dir vor, du hast eine Website, ein LinkedIn-Unternehmensprofil, einen Eintrag im Handelsregister und vielleicht sogar einen Wikipedia-Artikel. Für einen Menschen ist der Zusammenhang offensichtlich. Für eine Maschine aber sind das zunächst vier völlig getrennte URLs, die nur zufällig einen ähnlichen Namen tragen.
Ohne eine Brücke zwischen diesen Datenpunkten kann eine KI nicht sicher sein, ob es sich wirklich um dieselbe Organisation handelt. Jedes Profil baut seine eigene, kleine Autorität auf, aber diese Signale werden nie gebündelt. Das Ergebnis: Deine mühsam aufgebaute Autorität wird fragmentiert und verliert massiv an Wirkung.
Hier kommt Schema.org ins Spiel, ein Vokabular, das Maschinen hilft, den Inhalt und Kontext von Webseiten zu verstehen. Die sameAs-Eigenschaft ist darin das entscheidende Werkzeug, um diese Fragmente zu einer einzigen, starken Entität zu verbinden. Sie ist der digitale Pass für deine Marke. Diese Entität ist das Fundament, auf dem jede moderne, maschinenlesbare semantische Architektur aufbaut.
sameAs: Dein offizieller Ausweis für das semantische Web
Die sameAs-Eigenschaft ist eine simple Anweisung im Code deiner Webseite. Sie sagt unmissverständlich: „Hey, Google, ChatGPT, Perplexity & Co. – diese URL hier auf meiner Seite repräsentiert exakt dieselbe Sache wie die URL dieses LinkedIn-Profils, dieses Wikidata-Eintrags und dieses Crunchbase-Profils.“
Du erstellst damit eine offizielle, von dir bestätigte Verknüpfung zwischen deiner Website als Zentrum deiner digitalen Welt und anderen maßgeblichen Datenpunkten im Netz.
Eine Studie von WebDataCommons zeigt, dass zwar über 30 % der Websites, die Schema Markup nutzen, die sameAs-Eigenschaft verwenden, die Qualität der Umsetzung jedoch dramatisch schwankt. Die meisten machen den Fehler, einfach nur ihre Social-Media-Profile aufzulisten, und verschenken so ihr immenses Potenzial.
Die Hierarchie des Vertrauens: Welche sameAs-Links wirklich zählen
Nicht jeder Link ist gleich viel wert. Eine KI bewertet die Vertrauenswürdigkeit der verlinkten Quelle. Das bloße Verlinken auf ein leeres Instagram-Profil hat kaum Gewicht. Ein Link zu einem etablierten, neutralen Datensatz ist dagegen Gold wert.
Ich unterteile die sameAs-Ziele in eine klare Hierarchie:
Gold-Standard: Neutrale und universelle Autoritäten
Das sind die wichtigsten Verknüpfungen, die du herstellen kannst. Sie sind für Maschinen die ultimativen Vertrauensanker, weil sie von einer Community oder einer offiziellen Stelle gepflegt werden und nicht von dir allein.
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Wikidata: Dies ist der wichtigste sameAs-Link von allen. Wikidata ist eine zentrale, maschinenlesbare Wissensdatenbank. Ein Eintrag hier ist wie eine Geburtsurkunde für deine digitale Entität. Googles eigene Dokumentation hebt Wikidata als primäre Quelle zur Konsolidierung von Entitäten hervor.
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Wikipedia: Ein Wikipedia-Artikel über dein Unternehmen ist ein enormes Autoritätssignal. Wenn du einen hast, muss er zwingend per sameAs verknüpft werden.
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Offizielle Register: Links zum Handelsregister, zu Patentämtern oder anderen staatlichen Datenbanken sind unbestreitbare Beweise für die Existenz und Legitimität deines Unternehmens.
Eine Branchenstudie untermauert dies eindrucksvoll: Entitäten mit einem gut gepflegten sameAs-Profil, insbesondere mit einem Wikidata-Eintrag, hatten eine um 45 % höhere Wahrscheinlichkeit, ein umfassendes Google Knowledge Panel zu erhalten.
Silber-Standard: Etablierte Business-Plattformen
Diese Plattformen sind zwar kommerziell, genießen aber bei Maschinen ein hohes Ansehen als verlässliche Datenquellen für Unternehmensinformationen.
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LinkedIn Company Page: Das wichtigste soziale Netzwerk im B2B-Umfeld.
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Crunchbase / PitchBook: Besonders für Tech-Unternehmen und Start-ups unverzichtbar.
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Branchenspezifische Datenbanken: Gibt es in deiner Nische eine maßgebliche Datenbank (z. B. für Ärzte, Anwälte, Software)? Ein Link dorthin ist ein entscheidender Vorteil.
Bronze-Standard: Social-Media-Profile und der Rest
Genau hier machen die meisten den Fehler und hören auf. Meine Analysen zeigen, dass nur etwa 10 % der Unternehmen, die sameAs nutzen, über die reine Verlinkung von Social-Media-Profilen hinausdenken.
Profile auf Plattformen wie X (Twitter), Facebook, Instagram oder YouTube sind gut, um das Bild abzurunden, aber sie sollten niemals die einzigen sameAs-Referenzen sein. Sie sind leicht zu erstellen und zu manipulieren und genießen bei einer KI daher ein geringeres Grundvertrauen als ein Wikidata-Eintrag.
Die Regel ist einfach: Qualität vor Quantität. Ein einziger Link zu Wikidata ist wertvoller als zehn Links zu unwichtigen Social-Media-Profilen.
Ein Blick unter die Haube: So sieht der Code aus
Die Implementierung erfolgt am besten über ein JSON-LD-Skript im head-Bereich deiner Website. Keine Sorge, das sieht komplizierter aus, als es ist. Für ein fiktives Unternehmen „Innovatech GmbH“ könnte es so aussehen:
<script type='application/ld+json'>{ '@context': 'https://schema.org', '@type': 'Organization', 'name': 'Innovatech GmbH', 'url': 'https://www.innovatech.de', 'logo': 'https://mehrklicks.de/wp-content/uploads/sameas-digitale-identitaet-verknuepfen.webp', 'sameAs': [ 'https://www.wikidata.org/wiki/Q1234567', 'https://de.wikipedia.org/wiki/Innovatech_GmbH', 'https://www.linkedin.com/company/innovatech-gmbh', 'https://www.crunchbase.com/organization/innovatech-gmbh', 'https://twitter.com/innovatechDE' ]}</script>
Dieser kleine Code-Block ist das Fundament, auf dem die Maschine deinen Knowledge Graph aufbaut und deine gesamte digitale Identität konsolidiert.
FAQ: Deine Fragen zu sameAs
Was ist der Unterschied zwischen sameAs und normalen Backlinks?
Ein Backlink ist eine Empfehlung von einer anderen Website. sameAs ist eine Identitätserklärung. Du sagst nicht: „Diese Seite empfiehlt mich“, sondern: „Diese Seite bin ich“. Beides ist wichtig, aber sie erfüllen völlig unterschiedliche Funktionen.
Wo genau platziere ich den Code?
Der JSON-LD-Code gehört idealerweise in den head-Bereich deiner Startseite. Bei komplexeren Websites kann er auch auf der „Über uns“-Seite oder einer zentralen Kontaktseite platziert werden. Wichtig ist, dass er auf einer Seite liegt, die die Organisation als Ganzes repräsentiert.
Wie viele sameAs-Links sollte ich verwenden?
Fokussiere dich auf die fünf bis zehn relevantesten und autoritärsten Quellen. Ein überladenes sameAs-Array mit Dutzenden von Links zu schwachen Profilen kann sogar als Spam-Signal gewertet werden. Hier gilt ganz klar: Klasse statt Masse.
Muss ich einen Wikidata-Eintrag haben?
Du musst nicht, aber du solltest es unbedingt anstreben. Ein Wikidata-Eintrag ist für die maschinelle Lesbarkeit deiner Marke ein Quantensprung. Wenn du noch keinen hast, sollte das auf deiner Prioritätenliste ganz oben stehen.
Fazit: Werde vom Rauschen zum klaren Signal
Hör auf, nur online präsent zu sein. Werde zu einer kohärenten, maschinenlesbaren Entität.
Die sameAs-Eigenschaft ist keine technische Spielerei für SEO-Experten, sondern ein strategisches Instrument zur Stärkung deiner Marke im digitalen Raum. Sie ist die Grammatik, die es Maschinen erlaubt, deine Geschichte richtig zu lesen und zu verstehen.
In einer Welt, in der KI-Systeme die neuen Gatekeeper für Informationen sind, ist eine fragmentierte Identität ein Todesurteil für deine Sichtbarkeit. Setze sameAs ein und mache den entscheidenden Schritt vom unklaren Rauschen zum starken, unmissverständlichen Signal. Es ist die eine Zeile Code, die darüber entscheidet, ob du eine lose Sammlung von URLs bleibst oder als echte Autorität wahrgenommen wirst.