Googles AI Overviews: 4 Schritte, wie deine Marke zur unverzichtbaren Quelle für die KI wird
Ich erinnere mich an einen Kunden, dessen Website für alle wichtigen Keywords auf Seite 1 rankte – jeder SEO-Berater hätte ihm dafür auf die Schulter geklopft. Doch als die ersten KI-generierten Antworten in der Google-Suche auftauchten, passierte etwas Seltsames: Seine Marke existierte nicht mehr. Kein Zitat, keine Erwähnung, nichts. Wir hatten für die Suchmaschine optimiert, aber vergessen, mit der Intelligenz dahinter zu sprechen.
Dieses Erlebnis war ein Weckruf, der mir zeigte, dass die alten Regeln nicht mehr gelten. Google ist nicht mehr nur ein Katalog von Webseiten. Es ist ein Gehirn, das Zusammenhänge versteht, und dieses Gehirn hat einen Namen: der Knowledge Graph.
Die neue Search Generative Experience (SGE), heute bekannt als AI Overviews, ist die Stimme dieses Gehirns. Wenn du willst, dass diese Stimme über dich spricht, musst du aufhören, nur an deine Website zu denken, und anfangen, deine Marke als Wissenseinheit – als Entität – zu bauen.
Was sind AI Overviews und warum ändern sie alles?
Googles AI Overviews sind mehr als nur eine schicke neue Antwortbox. Sie sind das Ergebnis eines fundamentalen Wandels, wie Google Informationen verarbeitet. Statt dir eine Liste von zehn blauen Links zu geben und dich die Arbeit machen zu lassen, synthetisiert die KI eine direkte Antwort aus den vertrauenswürdigsten Quellen, die sie finden kann.
Und wo schaut eine KI als Erstes nach, wenn sie Fakten braucht? Nicht auf irgendeinem Blog. Sie schaut in ihre eigene, kuratierte Wissensdatenbank: den Google Knowledge Graph.
Der Knowledge Graph ist Googles Versuch, die Welt so zu verstehen, wie wir es tun – nicht in Form von Zeichenketten und Keywords, sondern in Form von Dingen, Menschen, Orten und Konzepten (Entitäten) und den Beziehungen zwischen ihnen.
Wenn SGE also eine Frage wie „Was sind die besten Produkte von Unternehmen X?“ beantwortet, passiert Folgendes:
- Anfrage an den Knowledge Graph: Die KI fragt nicht: „Welche Webseiten enthalten diese Keywords?“, sondern: „Was weiß ich über die Entität ‚Unternehmen X‘ und welche Attribute wie ‚Produkte‘ sind damit verknüpft?“
- Abruf von Fakten: Der Knowledge Graph liefert strukturierte Daten: Name, Gründungsdatum, CEO, Standorte und eben auch eine Liste von Produkten.
- Validierung & Anreicherung: Die KI gleicht diese Fakten mit Informationen aus anderen hochrangigen Quellen ab, wie der Unternehmenswebsite selbst, Wikipedia oder Branchenportalen.
- Generierung der Antwort: Aus diesen verifizierten Fakten wird der AI Overview erstellt. Deine Unternehmens-Entität im Knowledge Graph ist dabei nicht nur irgendeine Quelle – sie ist die primäre, vertrauenswürdigste Datenquelle.
Genau hier liegt der Kern der neuen KI-Sichtbarkeit: Es geht nicht mehr darum, Google auf deine Webseite zu locken. Es geht darum, die Fakten über deine Marke direkt in Googles Gehirn zu füttern.
Der Unterschied zwischen einer Website und einer Entität
Für viele Marketer ist ihre Website das Zentrum ihres digitalen Universums. Für Google ist sie nur noch ein Datenpunkt von vielen, der dabei hilft, das eigentliche Objekt zu verstehen: deine Unternehmens-Entität.
Eine Website ist eine Sammlung von URLs, Texten und Bildern. Für eine Maschine ist www.beispiel-firma.de erstmal nur eine Zeichenkette.
Eine Entität ist das Konzept dahinter. Es ist die „Beispiel Firma GmbH“, ein reales Ding mit eindeutigen Eigenschaften (Attributen): gegründet 2010, CEO ist Max Mustermann, Standort ist Berlin, verkauft Produkt Y.
Eine KI denkt nicht in Webseiten, sondern in Entitäten. Wenn deine Website klar kommuniziert, dass sie die offizielle Repräsentation einer bestimmten Entität ist, wird sie zur autoritativen Quelle für diese Entität. Wenn sie das nicht tut, ist sie für die KI nur Rauschen.
Die Frage ist also nicht mehr: „Wie rankt meine Website?“, sondern: „Wie klar und widerspruchsfrei ist meine Entität für eine Maschine definiert?“ Wenn du mehr über die Grundlagen wissen willst, lies dir den Beitrag Was ist eine Entität? durch.
Wie deine Marke zur primären Datenquelle wird
Googles Vertrauen muss man sich verdienen. Eine KI glaubt nicht einfach, was auf deiner „Über uns“-Seite steht. Sie sucht nach Bestätigung – nach konsistenten Informationen über deine Entität im gesamten Netz. Deine Aufgabe ist es, diese Konsistenz herzustellen und Google die Fakten auf dem Silbertablett zu servieren.
Hier sind die entscheidenden Hebel:
- Dein digitaler Fingerabdruck (Knowledge Panel & GBP): Ein Google Business Profile (früher Google My Business) ist die einfachste Form eines Knowledge-Graph-Eintrags. Pflege hier alle Daten akribisch – vom Namen über die Adresse bis zu den Öffnungszeiten. Jeder dieser Punkte ist ein Attribut deiner Entität.
- Die Sprache der Maschinen sprechen (Strukturierte Daten): Das ist der direkte Draht. Mit Schema.org-Markup auf deiner Website übersetzt du deine Inhalte in eine Sprache, die Google sofort versteht. Du sagst nicht mehr nur „Das ist unser CEO“, du markierst seinen Namen mit schema.org/CEO. Du schreibst nicht nur über ein Produkt, du definierst es mit schema.org/Product inklusive aller Eigenschaften. So wird deine Website von einer Textsammlung zu einer strukturierten Datenbank über dich selbst.
- Externe Validierung (Wikidata & Co.): Google nutzt externe, neutrale Quellen, um die von dir gelieferten Informationen zu überprüfen. Ein Eintrag bei Wikidata, dem maschinenlesbaren Bruder von Wikipedia, ist pures Gold. Er etabliert eine eindeutige ID für deine Entität, die Google nutzen kann, um Informationen aus verschiedenen Quellen zuzuordnen.
- Konsistenz ist alles: Der Name deines Unternehmens, die Adresse, der Name des Gründers – diese Informationen müssen überall identisch sein: in Branchenverzeichnissen, in Pressemitteilungen, auf deiner Website. Jede Abweichung erzeugt Misstrauen bei der Maschine.
Wenn du diese vier Punkte meisterst, wirst du vom Bittsteller, der auf einen Klick hofft, zur autoritativen Quelle, die von der KI zitiert wird.
FAQ: Häufige Fragen zum Knowledge Graph und AI Overviews
Was ist der Unterschied zwischen AI Overviews und den normalen Suchergebnissen?
Die normalen Suchergebnisse sind eine Liste von Links zu Dokumenten (Websites), die zu deiner Anfrage passen könnten. AI Overviews sind eine direkte, synthetisierte Antwort, die aus Fakten über Entitäten zusammengestellt wird. Der Link ist nicht mehr das Ziel, sondern nur noch ein optionaler Beleg.
Brauche ich einen Wikipedia-Eintrag, um eine Entität zu sein?
Nein, aber es hilft ungemein. Wikipedia ist eine der vertrauenswürdigsten Quellen für den Knowledge Graph. Wichtiger ist jedoch ein Eintrag bei Wikidata. Dieser ist rein faktenbasiert und hat geringere Relevanzhürden. Aber auch ohne beides kannst du durch konsistente Daten und saubere strukturierte Daten auf deiner eigenen Seite eine starke Entität aufbauen.
Wie fange ich an, meine Unternehmens-Entität aufzubauen?
Beginne mit den Grundlagen: Erstelle und optimiere dein Google Business Profile vollständig. Implementiere danach Organization- und WebSite-Schema-Markup auf deiner Website. Definiere darin klar den offiziellen Namen, das Logo und die Social-Media-Profile. Das ist der erste Schritt, um deiner Website eine eindeutige Identität zu geben.
Spielen Keywords gar keine Rolle mehr?
Doch, aber ihre Rolle hat sich verändert. Keywords sind nicht mehr das Ziel, sondern das Werkzeug. Sie helfen dir zu verstehen, welche Fragen Nutzer zu deiner Entität und den damit verbundenen Themen haben. Die Antwort lieferst du aber nicht durch Keyword-Stuffing, sondern indem du die Fakten und Attribute deiner Entität klar definierst, die diese Fragen beantworten.
Dein nächster Schritt: Vom Inhalt zur Architektur
Die Ära, in der man mit ein paar Blogartikeln und Backlinks die Sichtbarkeit dominieren konnte, ist vorbei. Die Zukunft gehört denen, die ihre Marke, Produkte und ihr Wissen als klare, strukturierte und maschinenlesbare Entitäten modellieren.
Hör auf, für Rankings zu kämpfen. Fang an, deine Realität für Maschinen zu übersetzen. Sorge dafür, dass der Knowledge Graph die Wahrheit über dich von dir selbst erfährt. Denn in der Welt der AI Overviews wirst du nicht nur gefunden, wenn du relevant bist – du wirst zitiert, wenn du die Wahrheit bist.